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Porträts von Frauen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Technik. Von Susanne Popp und Petra Hucke.
Maud Gonne war wohlhabende Engländerin und Protestantin – und kämpfte gleichzeitig als Journalistin und Schauspielerin für die irische Unabhängigkeit. Sie setzte sich für arme Pächter:innen und politische Gefangene ein. Ein hartes Leben, wie sie selbst sagte, aber das einzige, das sie führen konnte. Und was hat sie mit W. B. Yeats zu tun? War sie wirklich seine Muse?
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Maud Gonnes Autobiografie beginnt so:
I was returning from Mayo triumphant. I had stopped a famine and saved many lives by making the people share my own belief that courage and will are unconquerable and, when allied to the mysterious forces of the land, can accomplish anything.
Triumphierend kehrte ich aus Mayo zurück. Ich hatte eine Hungersnot beendet und viele Menschenleben gerettet, indem ich die Menschen an meiner Überzeugung hatte teilhaben lassen, dass Mut und Wille unbesiegbar sind und dass man, wenn man sich mit den geheimnisvollen Kräften des Landes verbindet, alles erreichen kann.
Geboren wurde sie im englischen Surrey am 21. Dezember 1866 als Edith Maud Gonne. Ihr Großvater mütterlicherseits hatte einen florierenden Handel mit Luxusgütern gehabt und war mehrere Millionen schwer gewesen, sodass die Familie sich keine Sorgen um Geld machen musste.
Ihr irisches Erbe
Gonnes irisches Erbe ist dünn: Nur ein Urgroßvater stammte aus Irland, doch wenn es darum ging, ihre Verbundenheit zum Land zu zeigen, übertrieb sie diesen Fakt gern oder sagte, das Blut ihrer englischen Mutter habe ihr geholfen, England zu verstehen und dessen guten Qualitäten schätzen zu können. Ihr irisches Blut jedoch zwänge sie, gegen die englische Herrschaft und Queen Victoria zu kämpfen.
Als sie ein oder zwei Jahre alt ist, wird ihr Vater Tommy vom Militär in Irland stationiert. Er nimmt seine Familie mit in einen Vorort von Dublin. Irland ist damals das ärmste Land Westeuropas und noch sehr ländlich geprägt. Ein jüngere Schwester, Kathleen, wird geboren, doch bei der Geburt des dritten Kindes sterben sowohl der Säugling als auch die Mutter.
Vater Tommy holt ein Kindermädchen namens Bowie für seine beiden Töchter, die jedoch nicht viel lernen, sondern recht wild an der Küste aufwachsen und viel Zeit draußen verbringen. Maud behält ihre Kindheit immer positiv in Erinnerung. Als Tommy ins Ausland (nach Österreich, Südafrika, Indien) versetzt wird, schickt er seine Töchter zu verschiedenen Verwandten nach London und Umgebung, aber es gibt auch lange Sommeraufenthalte in Südfrankreich, und die Wintermonate verbringen sie des Klimas wegen in der Schweiz. Bowie ist immer dabei, und Vater Tommy schreibt viele Briefe. Er gibt Maud, seinem „Lämmchen“, zwei Wahlsprüche fürs Leben mit:
* Sie soll niemals vor irgendetwas Angst haben, auch nicht vor dem Tod. – Maud nimmt diese Aufforderung sehr ernst und stellt sich immer wieder selbst Mutproben (wie durch einen finsteren Wald zu laufen), um ihre Ängste zu überwinden.
* Der Wille ist eine seltsame, unberechenbare Kraft und viel stärker als die Umstände.
Von einer Tante lernt die heranwachsende Maud die Bedeutung von Schönheit: Männer können noch so hässlich sein, aber Frauen müssen sich – für die Männer – schön machen. Maud lernt sich zu schminken, sich modisch anzuziehen und das richtige Parfüm auszuwählen. Sie wird tatsächlich zu einer Schönheit, groß und schlank.
Belle of the Season
Als sie etwa zwanzig ist, wird Tommy als Assistant Adjutant General (der zweite Befehlshaber des britischen Militärs in Irland) wieder nach Dublin versetzt. Sie übernimmt für eine Weile die Rolle seiner Ehefrau, d. h.
Frauenleben. Inspirierende Frauen und ihre Zeit.
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