
„Ich kann nichts dafür – warum sollte ich mich schämen?"
Frau B. berichtet, wie sie schon Jahre vor der Inhaftierung als alleinerziehende Mutter zwei Kinder großgezogen hat und dennoch den Kontakt zwischen Tochter und Vater konsequent gefördert hat. Obwohl die Paarbeziehung längst beendet war, war ihr wichtig, dass die Tochter „ihren Papa lieben darf". Sie beschreibt den Moment, als sie von der Inhaftierung erfuhr, die schweren ersten Tage zu Hause auf dem Sofa mit ihrer völlig aufgewühlten Tochter und warum für sie von Anfang an klar war: Es wird nichts erfunden, es gibt keine Ausreden, keine Schein-Geschichten. Haft, Gefängnis und Tat werden benannt – altersgerecht, aber ehrlich. Parallel dazu ringt sie mit eigener Wut: darüber, dass der Vater seiner Verantwortung gegenüber Partnerin und Kindern nicht gerecht wurde und „nichts an seinem Lebensstil geändert" hat.
Zwischen Wut, Verantwortung und Ehrlichkeit: Wie eine Mutter die Haft des Ex-Partners mit ihrer Tochter bewältigt
Wie geht man als Mutter damit um, wenn der Vater des eigenen Kindes im Gefängnis landet – und man selbst trotzdem Brücke und Halt für das Kind bleibt? In dieser Folge von „Mitbestraft – im Gespräch mit Angehörigen von Inhaftierten" erzählt Frau B., wie sie ihre Tochter durch die Inhaftierung des Vaters begleitet hat. Es geht um die besondere Belastung von Angehörigen, um Scham, Wut und Loyalitätskonflikte, um offene Kommunikation mit Kindern über Haft und Kriminalität und um das, was sie heute als wichtigste Ressource sieht: Selbstfürsorge und Klarheit in der eigenen Verantwortung.
Offene Worte statt Lügenmärchen – wie Kinder Wahrheit aushalten können
Zentral in diesem Gespräch ist der Umgang mit der Frage: Sagt man Kindern, dass der Vater im Gefängnis ist? Frau B. schildert, warum sie sich bewusst gegen Vertuschen und „Auslands-Storys" entschieden hat und wie sehr sie ihrer damals elfjährigen Tochter vertraut hat. Sie beschreibt, wie ihre Tochter zunächst vorsichtig mit Freundinnen umging, nach und nach aber selbst offen über die Inhaftierung sprach – ein Prozess, der auch durch den ehrlichen Umgang in der Familie und gegenüber der Schule (bis hin zu Freistellungen für Besuche) möglich wurde. Gleichzeitig wird deutlich, welche emotionalen Spuren U-Haft hinterlässt, wenn sich Vater und Kind nur hinter Glas sehen können und körperliche Nähe fehlt.
„Es ist nicht meine Schuld" – Wichtige Sätze für Angehörige
Im Rückblick formuliert Frau B. klare Botschaften für andere Angehörige von Inhaftierten. Sie beschreibt, wie sie sich zeitweise schuldig fühlte („Wenn ich nicht auf dieses Wochenende bestanden hätte..."), und wie wichtig es war, sich innerlich davon zu lösen: Verantwortung für die Straftat liegt allein beim Inhaftierten. Sie betont, wie entscheidend Selbstfürsorge ist, um nicht völlig auszubrennen: eigene Bedürfnisse wahrnehmen, Grenzen setzen, sich nicht in die Verantwortung für die Tat hineinziehen zu lassen. Neben der emotionalen Belastung spricht sie auch über finanzielle Folgen der Inhaftierung, Spannungen in der Pubertät der Tochter, Rollenwechsel und Ablösungsprozesse – und darüber, dass eine enge Mutter-Tochter-Beziehung durch Ehrlichkeit zwar konfliktreich, aber auch tragfähig bleiben kann.
Für alle, die mehr Unterstützung brauchen
Im Gespräch wird auf verschiedene Unterstützungsangebote für Angehörige von Inhaftierten hingewiesen, die in den Shownotes der Podcastreihe näher verlinkt werden:
- Spezialisierte Beratungsstellen für Angehörige von Inhaftierten (z. B. Straffälligenhilfe des SKM Freiburg: https://www.skm-freiburg.de)
- Online-Beratungs- und Chatangebote für Angehörige:
https://www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/straffaelligkeit/start