Es muss nicht Weihnachten sein, um Weihnachtliches zu erleben. Es sind die Momente, wo Himmel und Erde sich berühren.
Ein solcher Moment geschah im Oktober dieses Jahres.
Ich habe eine Freundin, die in einem Seniorenheim lebt.
Ihre tiefe Trauer war, dass ihr einziger Sohn sich über viele Jahre nicht mehr gemeldet hat:
Beziehung abgebrochen. Ohne Erklärung. Schweigen. Keine Möglichkeit zu fragen, keine Möglichkeit zu klären, keine Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen.
Ohnmächtig und allein fühlte sie sich, denn auch der Ehemann ist schon einige Jahre nicht mehr an ihrer Seite.
Vor ein paar Wochen stattete ich dieser Freundin einen Besuch ab. Es ging ihr körperlich und seelisch nicht gut. Wir hatten einige Lebensmittel dabei und auch Dinge fürs Herz, in der Hoffnung, dass diese ihr guttun.
Als wir aus dem Auto stiegen, noch ganz mit uns beschäftigt, drehte ich mich um. Und wen sah ich? Den Sohn meiner Freundin. Mir verschlug es die Sprache. Ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.
Erst vor 40 Minuten habe er sich angekündigt, sagte er, er würde einen kurzen Besuch machen.
Um die beiden allein zu lassen, wäre ich am liebsten gleich umgedreht. Aber er lehnte diese Idee ab. Er bat, noch 20 Minuten mit dem Hund zu gehen, dann wäre es gut, wir kämen dazu.
Nur staunend, mit klopfendem Herzen und betend, über das Unfassbare redend machten wir unseren Spaziergang.
Nach 20 Minuten kehrten wir in das Seniorenheim zurück und da begegnete uns meine Freundin mit ihrem Rollator, strahlend, neben ihr ihr Sohn.
Er verabschiedete sich liebevoll, sie fragte, ob er denn wiederkomme. Er sagte, ja, er komme wieder, würde sich jetzt wieder um sie kümmern.
Als er gegangen war, fielen wir uns vor Glück und Dankbarkeit weinend in die Arme. Bei Gott ist kein Ding unmöglich.
Ich fragte sie, wie denn die Begrüßung gewesen sei?
Er habe geklopft, sie habe geöffnet und da habe sie nur einfach die Arme weit aufgemacht und er habe sie so genannt, wie er sie immer nannte. Alles war gut. Ein unfassbarer Glücksmoment.
Keine Vorwürfe, Fragen, Klagen, nur in die Arme nehmen und das Geschenk staunend und Gott dankend, annehmen.
Das haben wir dann gefeiert mit Mitgebrachtem, Nützlichem und Schönem, es war uns weihnachtlich zumute.
Wir staunten über die Regie, das Zeitmaß, die barmherzige Liebe Gottes, die wir leibhaftig erleben durften.
Vielleicht kennt auch ihr solche Momente zum Aufschreiben, Weitersagen, oder einfach im Herzen beglückt bewahren?
In diesem Sinne: eine gesegnete Adventszeit und weihnachtliche Momente im ganzen Jahr, wünscht
Isabel Prinzessin zu Löwenstein, Heidelberg
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